Unser Hirschau – Exkursion in die ehemalige Landeshauptstadt Innsbruck

Was lange währt, wird besonders gut! So könnte man es gezielt auf den Punkt bringen, dass der Förderverein „Unser Hirschau e.V.“ am vergangenen Wochenende der mittelalterlichen Stadt Innsbruck einen Besuch abstattete. Die Idee stammte vom zweiten Vorsitzenden des Vereins, Historiker Prof. Mark Mersiowsky, der selbst für einige Jahre als Professor an der Universität Innsbruck lehrte und noch heute zusammen mit seiner Frau Prof. Ellen Widder, ebenfalls Historikern, mit der Stadt Innsbruck eng verbandelt ist. Dadurch war es möglich, dass die dreizehnköpfige Reisegruppe in die „allerheiligsten Bereiche“ des Tiroler Landesarchivs Einblick nehmen durfte. Geführt wurden wir vom Direktor des Tiroler Landesarchivs, Universitätsprofessor Dr. Christoph Haidacher und seiner zukünftigen Nachfolgerin Frau Dr. Gertraud Zeindl.

Hirschau war mit Verkauf der Grafschaft Hohenberg von 1381 bis 1805 unter österreichischer Herrschaft ein Teil Vorderösterreichs. Amtssitz war die Stadt Rottenburg. Die zuständige Regierung saß in der Landeshauptstadt in Innsbruck. Dadurch lagern die historischen Akten bis zum Jahr der napoleonischen Umstrukturierungen, in der das Oberamt Rottenburg mit der Gemeinde Hirschau dann an das neue Königreich Württemberg viel, im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck. Durch einen Brand des Hirschauer Rathauses im Jahr 1923 wurden sämtliche Hirschauer Archivalien ein Raub der Flammen. Dadurch sind im Tiroler Landesarchiv zahlreiche schriftlichen Quellen, wie Urkunden über Pfändungen und Lehen,
Handschriften, sowie Steuerlisten, Landkarten und so weiter zu finden. Hier liegen die zentral in Innsbruck befindlichen Dokumente, weitere, die im 19. Jahrhundert an die Nachfolgestaaten Vorderösterreichs, so für Hirschau das Königreich Württemberg, abgegeben wurden, liegen heute in Stuttgart und Ludwigsburg.

Prof. Mark Mersiowsky hat durch seine guten Kontakte, auch als Mitglied des Tiroler Geschichtsvereins, schon einen Tag vor unserem Besuch einige interessante Originale, wie Pfändungsurkunden sowie eine beeindruckende Landkarte über „den Lauf des Neckars“ aus dem Jahr 1743 zur Einsichtnahme herausgesucht. In dieser Karte ist zu sehen, wie erste Überlegungen zur Begradigung des breit im Tal mäandrierenden Flusses entstanden. Die Hausherren, Prof. Haidacher und Frau Dr. Zeindl führten durch die „heiligen Archivräume“, vom Lesesaal über Nebengänge in die ober- und unterirdischen Magazinbauten und erläuterten neben den Informationen zu den historischen Archivmaterialien und deren Bedeutung auch die beeindruckende technische Ausstattung des Gebäudes. Die ältesten Archivalien stammen aus dem Jahr 950 n. Chr. In den zahlreichen Jahresbänden gibt es vermutlich noch unzählige Hinweise zum Oberamt Rottenburg mit der gemäß Pfändungs- und Steuerlisten im Mittelalter durchaus vermögenden Weinbaugemeinde Hirschau.

Foto: Förderverein Unser Hirschau e.V

Foto: Förderverein Unser Hirschau e.V.
Betrachtung Karte Neckar-Fluss und historische Dokumente im Lesesaal des Tiroler Landesarchivs

Mit einem „Schnelldurchgang durch die Innsbrucker Innenstadt“ war es dann für den Freitag genug an Information, um beim gemütlichen Abendessen in einem Innsbrucker Traditionslokal den Tag ausklingen zu lassen.

Am Samstagmorgen ging es zur ausgiebigen Stadtführung. Beeindruckend, das Wissen des Historiker-Ehepaares Ellen Widder und Mark Mersiosky um die Historie der Stadt mit den städtebaulichen Entwicklungen, die im mittelalterlichen Stadtkern noch nahezu völlig original erhalten ist. Durch Kaiser Maximilian 1. (1459 – 1519) gewann die Tiroler Landeshauptstadt immer mehr an Bedeutung, womit Maximilian auch mit baulichen Markenzeichen, wie der Hofburg und den vom berühmten „Goldenen Dacherl“ flankierten historischen Marktplatz Einfluss und Macht demonstrierte. Die Besichtigung der Hofkirche, durch das bedeutendste Grabmal eines römisch-deutschen Kaisers auch „Schwarz-Mander-Kirche genannt, die Maximilian schon zu Lebzeiten plante, war ebenso beeindruckend, wie die „Silberne Kapelle“, welche ab 1586 errichtet wurde. Anschließend ging es in die Innsbrucker Hofburg, in der der ganze Prunk der Habsburger Dynastie bis zur legendären Kaiserin „Sissi“ in strahlenden Barocksälen, Wohn- und Repräsentationsräumen präsentiert wird.

Foto: Förderverein Unser Hirschau e.V.
Grabmal Kaiser Maximilian I. mit den „Schwarzen Manderln“

Völlig beeindruckt von dieser Fülle an Informationen zu unserer vorderösterreichischen Geschichte und dem ganzen Prunk um die Habsburger Dynastie ging es nach einem Abschiedskaffee in einem typischen österreichischen Kaffeehaus dann am Samstag spätnachmittags wieder zurück in das mittlerweile württembergische Hirschau.


[shariff]