[Amtlicher Beitrag] Nicht umbenennen, sondern erinnern: Der Lämmleweg als Mahnung
Straßennamen sind mehr als bloße Orientierungshilfen – sie spiegeln historische Entscheidungen und for-dern zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit auf. In Hirschau finden wir den Lämmleweg, benannt nach dem Schriftsteller August Lämmle, der sich während der NS-Zeit offen in den Dienst der nati-onalsozialistischen Ideologie stellte. Im Zusammenhang mit der Prüfung der Tübinger Straßennamen hat sich der Hirschauer Ortschaftsrat dafür ausgesprochen, den Lämmleweg nicht umzubenennen, sondern als dauernden Anstoß zur kritischen Erinnerung zu verstehen.
Am 4. Februar 1959 hatte sich der damalige Gemeinderat der noch unabhängigen Gemeinde Hirschau für die Benennung einer kleinen Stichstraße als Lämmleweg entschieden. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Autoren, die in der Zeit des Nationalsozialismus eine denkbar unrühmliche Rolle gespielt haben, gab es offensichtlich nicht. Für uns Heutige bietet sich dieser Tag, der 4. Februar, dagegen als „Stichtag“ an für die kritische Erinnerung an August Lämmle und den Kontext seiner Machenschaften.
Deshalb an dieser Stelle ein Zitat von August Lämmle aus dem Jahr 1937, dem wir ein Zitat von Erich Kästner gegenüberstellen. Es stammt vom 25. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis – auch die Bü-cher Erich Kästners wurden 1933 verbrannt. Bereits wenige Monate, nachdem den Nationalsozialisten die Macht übertragen wurde, konnte man deutlich sehen und erleben, was von den neuen Machthabern zu erwarten war.
„Dienst am Volkstum ist der Sinn der Hitlerjugend und der Kameradschaft in der SA, ist in seiner zielbewußten Durchdenkung und Durchführung der Arierparagraph und die Beseitigung der Fremdstämmigen aus der Führung des deutschen Volkes und Staates.“
August Lämmle in: Zeitschrift „Württemberg“. Schwäbische Monatshefte im Dienste von Volk und Heimat, 1937
„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“
Erich Kästner (1899 – 1974) – am 10. Mai 1958 anlässlich des 25. Jahrestags der Bücherverbrennung durch die Nazis
Ortschaftsrat Hirschau
